Norwegen -Burgman mit Hilde Schiffer
 

 
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Norwegen -Burgman mit Hilde Schiffer
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Nordcap - Burgman mit Bruno Schiffer
 
 

erlebt und erfahren von:       Hilde Schiffer

gefahren und geschrieben von: Bruno Schiffer

Unser Reiseziel - Norwegen

Wenn man dann ein halbes Jahr später seine Erinnerungen aufschreibt, gibt's ein großes Problem. Vieles ist verblasst, Ortsnamen vergessen, Stimmungen verflogen. So wird dieser Reisebericht einmal ganz anders als sonst, nicht so chronologisch wie sonst schon. Meine Eindrücke von Land und Leuten gebe ich schon in der erlebten Reihenfolge wieder. Dazwischengestreut sind dann mehr oder weniger tiefsinnige Betrachtungen, die den Urlauber im allgemeinen und den Rollerfahrer im besonderen angehen.

Die Reiseroute in groben Zügen:

Von Düren auf der Autobahn, vorbei an Dortmund, Hannover, Hamburg, Flensburg bis an die Nordspitze Dänemarks mit einer Übernachtung dazwischen. Vom Fährhafen Hirtshals nach Christiansand in Norwegen. Dort wählten wir eine Route am Meer entlang, zunächst nach Westen und folgten dem Verlauf der Küste durchs Fjordland nach Norden bis fast an den Polarkreis. Dann fuhren wir zurück bis Trondheim und danach durchs Landesinnere nach Oslo. Von dort ein Abstecher nach Schweden ans Nordufer des Vänern Sees. Am See entlang in südwestlicher Richtung kamen wir bei Göteborg wieder ans Meer, und fuhren ab da nur noch Autobahn (bis zu Hause) an Schwedens Ostküste bis Malmö. Wir überquerten den Öresund auf der neuen Brücke, durcheilten Seeland, hatten auf der Brücke über den Großen Belt nochmal das Großbrücken-Erlebnis. An Odense vorbei ging's durch Fünen und bei Kolding trafen wir wieder auf die Route, die wir schon auf der Hinfahrt nahmen.

Unser Roller

Es ist ein Suzuki Burgman 400 mit 33 PS, Spitze 140 km/h. Kilometerstand bei der Abreise 28.500. Leichte Bedenken hatte ich wegen des Hinterradreifen, der immerhin schon 7.200 km gelaufen war (aber ich wollte ja dieses Jahr nicht so viel fahren) und wegen dem Antriebsriemen der Variomatic. Die Werkstätte hatte auf der Rechnung vermerkt: "Riemen sollte in Kürze erneuert werden. Ist bestellt."

Das war am 30. Juni. Am 22. Juli und 7.500 km später kamen wir wohlbehalten, ohne jegliche Panne, aber mit blankem Hinterreifen, wieder im Heimathafen an. Rollerurlaub oder die Kunst des Weglassens und -werfens. Nun wird manch einer, der dies liest und noch nie mit dem Zweirad Urlaub gemacht hat, oder gar keins besitzt, sich fragen, geht das überhaupt? Was ist mit dem Gepäck? Wo schlafen die? Und überhaupt, haben die denn kein Auto wie jeder heutzutage? Irgendwann, vor fünf Jahren, hatte uns der Rollervirus infiziert und meine Frau hatte als Urlaubsziel Lissabon auserkoren. Mit dem Roller natürlich.

Damals wurde das System entwickelt, nach dem die Sache läuft. Jeder Motorroller hat ein mehr oder weniger großes Staufach für den Helm, das ist Gepäckabteil eins. Das zweite ist ein Topcase. Bei uns ein GIVI Maxia mit 50 Litern Volumen. Ein ganz kleiner Rucksack ist auch stets dabei als Gepäckabteil drei. Und dann haben die Motorradjacken viele Taschen. Was da nicht reinpasst bleibt zu Hause. Basta. Seitenkoffer wurden erst gar nicht in Erwägung gezogen. Die Fuhre ist so schon reichlich hecklastig. Durchschlängeln im Verkehrsgewühl und beim Stau auf der Autobahn kann man sich damit auch abschminken.

Was muss denn nun unbedingt mitgenommen werden? Camping geht nicht, also braucht man Gottvertrauen, dass man an jedem Abend, zumal immer in der Hauptsaison, ein Bett findet, um sein müdes Haupt zur Ruhe zu legen. Wählerisch kann man auch nicht sein, wir haben in manchen sauren Apfel beißen müssen, hatten aber auch einige wunderschöne Hotels. Werkzeug und Ersatzteile habe ich auch nicht dabei. Ich kann nicht schrauben. Auch hier wieder das System Gottvertrauen. Eine Dose Reifenpilot habe ich immer an Bord. Damit kann man einen platten Reifen aufpumpen und abdichten. So bleibt, um die vielen Stauräume zu füllen, nur noch Kleidung und etwas für die Körperpflege übrig.

Hierbei schießen wir den Vogel ab: Hemden, Socken, Unterwäsche, selbst Jeans, die verschlissen sind, werden das ganze Jahr über gesammelt für die schönsten Wochen des Jahres. Aufgestockt wird der Fundus noch von Kleidungsstücken der Freunde und Freundinnen, die diesen nicht passen oder stehen. Manche Händler auf Flohmärkten bieten schon mal Socken für DM 10,- für 10 Paar an. Mitnehmen. Und morgens nach der Hotelübernachtung ein voller Mülleimer und die diebische Freude, schon wieder mehr Platz im Stauraum zu haben. Die Jeans und die Badelatschen verlassen uns als letzte. Am letzten Urlaubstag haben wir tatsächlich fast nur noch die Textilien, die wir auf dem Leib tragen.

Nordsjøwegen (Nordseestraße)

Auf der Fähre Hirtshals - Christiansand hatte meine Frau von einer Reisebekanntschaft den Hinweis auf die angeblich schönste Straße Norwegens erhalten. Von Flekkefjord geht sie entlang der Südküste nach Stavanger. Schmal, kurvig, auf und ab, an stillen Seen, an steilen, schroffen Küstenfelsen entlang, durch liebliche Wälder. Gar nicht so sehr spektakulär. Eher für Herz und Gemüt. Eine wunderbare Einstimmung auf Norwegen. Fjordland Fjorde sind die Sehenswürdigkeiten Norwegens schlechthin. Was wäre Norwegens Tourismus ohne sie. Wir haben sie alle gesehen. Zumindest fast alle. Vom Oslofjord im Süden bis zum Trondheimfjord im Norden. Es gibt wohl kaum etwas schöneres, als am Ufer eines Fjords entlang zufahren, die ständig wechselnde, grandiose Landschaft zu betrachten mit Wasserfällen jeglicher Größe. Manchmal ganz in der Ferne, dann wieder so hautnah, dass man nass wird und in Sonnenschein einen Regenbogen sieht. Ungezählte Tunnels überwinden Abschnitte, an denen sich keine Straßen bauen lassen. Wenn's nicht anders weitergeht, steht eine kleine Seereise mit der Fähre an. Die kann 10 Minuten aber durchaus auch schon mal eine Stunde dauern. Manchmal kann man in einer halben Stunde bis in die Regionen des ewigen Eises fahren, wo der Schnee sich am Straßenrand meterhoch türmt und ist danach in der gleichen Zeit dann wieder an einem anderen Fjord, wo am Ufer Erdbeeren und Kirschen angebaut werden. Der Golfstrom, Norwegens Warmwasserheizung, macht's möglich. Am schönsten ist es, im hohen Gras am Ufer zu liegen, um eine Stunde seine Augen zu pflegen.

Vestkapp

Alle reden vom Nordkap oder norwegisch mit pp am Ende. Wir haben das Vestkapp besichtigt. Kein Touristenrummel, kein Eintritt, nur ein kleines Lokal auf der Bergkuppe mit einem traumhaften Panoramablick auf die unwirklich wirkende Landschaft, die an die Lofoten erinnert. Sonderbar nur, dass der nächstgelegene Ort, genau wie am Nordkap, Honningsvåg heißt. Die Stabkirche Keiner sollte sich als Kulturbanause fühlen, wenn er das Wort Stabkirche noch nie gehört hat, mir ging's vor dem Norwegenurlaub genauso. Da haben also die gleichen Zimmerleute, die die Wikingerschiffe bauten, sich auch erfolgreich im Kirchenbau versucht. Sie wendeten die gleiche Technik an, die sie aus dem Bootsbau kannten und da das Christentum noch nicht ganz gefestigt war, wurden außen am Dach, als Schutz gegen böse Geister, überdimensionierte Drachenköpfe angebracht, sicher ist sicher. Die Form der Kirchen erinnert an fernöstliche Pagoden. Drinnen ist es dunkel und heimelig und eng. Von außen sind Stabkirchen schwarz, da sie alle fünf Jahre einen neuen Teeranstrich bekommen müssen. Wir besichtigten ein besonders schönes Exemplar von 1130 bei Vik am Sognefjord. Wunderschön an einem Berghang gelegen, eine Viertelstunde zu Fuß, außerhalb des Städtchens. Das ganze strahlte eine himmlische Ruhe aus, zumal wir die einzigen Touristen waren. Als das Fotoshooting beginnen sollte, gab mal wieder die Batterie in der Kamera ihren Geist auf. Nur gut, dass im Ort ein Fotoladen war.

Trollstiegen gegen Stalheimskleiva

In einem meiner Reiseführer hatte ich gelesen, dass Biker aus aller Welt nur wegen dieser großartigen Passstraße nach Norwegen pilgern. Zugegeben, eine Meisterleistung der Straßenbauer, eine herrliche Kulisse mit dem Wasserfall, aber fahrerisch so anspruchsvoll wie die Landstraßen bei uns in der Eifel. Dagegen hat die Stalheimskleiva zwischen Stalheim und Gudvangen echten Nervenkitzel zu bieten. Neben der gut ausgebauten E 16 existiert noch Norwegens steilste Straße. Auf nur 1,5 km werden in 13 Kehren 350 Höhenmeter überwunden.

Auf halber Höhe habe ich unter dem Vorwand, vorsichtshalber die Bremsen abkühlen lassen, eine Zigarettenpause eingelegt. Preise auf der Reise Schon auf der Fähre hatte mich als Raucher ein ungutes Gefühl beschlichen, als ich sah, welche Mengen Zigaretten zu 7,- Mark die Packung aus dem Duty-Free herausgeschleppt wurden. Als meine Stange in Norwegen aufgebraucht war, wusste ich warum: Bis zu 16,- Mark pro Packung kosten sie an Tankstellen, im Supermarkt kann man sie zum Spottpreis von 12,50 erwerben zusammen mit einer 0,5 Liter Dose Bier für 5,- Mark. Da verflucht man seine Laster, was wohl ganz im Sinne der norwegischen Regierung ist.

Auch das gesunde Mineralwasser hat seinen stolzen Preis. Nicht selten kostete die 1 Liter Flasche an der Tankstelle 3,- Mark. Da fand man den Sprit für 2,50 geradezu spottbillig. Die Gastronomie hat für unsere Begriffe auch stolze Preise. Für den Preis von zwei Bieren in Norwegen kann ich mich in meiner Stammkneipe abfüllen. Und das Essen? Das opulente Frühstücksmenü im Hotel war immer eine solide Grundlage bis in den Nachmittag hinein. Dann ein Teilchen aus der Bäckerei und abends die Frittenbude. Zur Feier des Tages auch schon mal Pasta oder Pizza beim Italiener. Was soll ich über die Preise lamentieren, wir hätten ja auch zuhause bleiben können.

Bergen

Hier kommen die Babies mit Regenschirm zur Welt, wurde uns berichtet. Das ist praktische Evolution. An 280 Tagen im Jahr regnet es hier. Europarekord. Gut, dass wir einen von den restlichen 85 erwischt hatten. So konnten wir ungestört tun, was Touristenbrauch ist. Rundgang durch die City, Besichtigen einiger Sehenswürdigkeiten, wobei die Bryggen, eine Ansammlung von 280 hölzernen Hansehäusern, wohl die bedeutendste ist und von der UNESCO als "Kulturerbe der Menschheit" eingestuft wurde. Für die Weiterfahrt stärkte ich mich mit frisch Geräuchertem vom Fischmarkt. Einfach himmlisch.

Trondheim

Schön praktisch haben die Trondheimer ihre Stadt nach dem großen Brand von 1681 wieder aufgebaut. Zwei breite Hauptstraßen treffen sich rechtwinklig in der Mitte und am Kreuzungspunkt der riesige Marktplatz. Da haben wir unseren Roller abgestellt und konnten alles zu Fuß abklappern. Imposant ist der Nidaros-Dom, die größte Kirche Skandinaviens. Ich konnte mich nicht sattsehen an den unglaublich filigranen Steinmetzarbeiten, die meine Berufskollegen vor Jahrhunderten geschaffen haben. Als Zweiradtourist in Skandinavien Eigentlich ist wie immer und überall, aber eben nicht ganz. Das mit dem Grüßen fing schon auf der Autobahn durch Dänemark an. Sogar von der Gegenfahrbahn sah man die weiterhobene Hand der Biker. Bestand etwa Grußpflicht? Ich habe keinen auf der ganzen Reise erlebt, der nicht grüßte, auch uns Rollerfahrer. Und für das Ritual in den vielen finsteren Tunnels Norwegens wurde ebenfalls eine Lösung ausgearbeitet. Man betätigt den linken Blinker, um nicht als unhöflich zu gelten. Die Tunnel sind tatsächlich meistens finster. Wie hilfreich wäre eine Mittellinie oder Seitenbegrenzungen. Oft tropft es von oben. Längsrillen, die man im Dunkeln nicht sieht, tragen dazu bei, dass man durch die Tunnel "eiert". Bei den rigorosen Geschwindigkeitsbeschränkungen entscheidet nicht mehr die Motorleistung darüber, welche Entfernung man zurücklegt, da alle fast gleich schnell (langsam) fahren. Überholvorgänge sind eher die Ausnahme. Wichtig für die Länge der Tagesetappe ist einzig und allein das Sitzfleisch. Im Land der Fjorde muss man andauernd Fähren benutzen. Und da haben die Biker immer die Nase vorn. Man fährt an der langen Schlange vorbei, wird als erster aufs Schiff gewinkt und bekommt einen Platz im vorderen Teil, der für ein Auto zu klein ist. Und noch ein Privileg hat der Zweiradfahrer in Norwegen. Große Städte wie Oslo, Bergen oder Trondheim erheben einen Eintrittspreis zur Fahrt mit dem Auto in die Stadt, während der Biker auf der Spur für die Leute mit Dauerkarte ohne Kosten und Zwangsstopp in die City rollt.

Torghatten

Das Loch im Fels Unweit von Brønnøysund, dem nördlichsten Punkt unserer Reise, ragt der Torghattan, ein Felsen mit einem riesigen Loch mittendrin, aus dem Meer. Nach einem knapp halbstündigen Aufstieg hatten wir dann einerseits den traumhaften Ausblick zu unserer Seite und durch das 160 m lange, 35 m hohe und 20 m breite Loch die Sicht aufs Meer an der anderen Küste der Insel.

Samen am Wegesrand

Es regnete schon seit Brønnøysund. Ein Gewitter hatte sich entladen und war in einen Landregen übergegangen der nicht aufhören wollte. Unsere Reiseroute hatten wir kurzfristig ändern müssen, da auf der geplanten Strecke die erste Fähre in einer halben Stunde abfuhr, aber die nächste, 25 km weiter, lt. Fahrplan zwar an diesem Abend auch noch fuhr, aber eine Stunde Fahrtzeit benötigte und dann hätten wir das nächste Städtchen erst weit nach Mitternacht erreicht. So fuhren wir von der Küste ins Landesinnere, um die Lebensader A7 zu erreichen. In einem Wartehäuschen stellten wir uns unter, bis irgendwann die Geduld zu Ende war. Man glaubt nicht, wie lang einem 140 km Landstraße werden, wenn es schüttet. Endlos ging's durch dichte Wälder, hin und wieder eine kleine Ansiedlung. Dann der Aufstieg zu einem Pass.

Das letzte Stück in einem Tunnel. Eisekalt war es uns. Aber auf der anderen Seite hatte es aufgehört zu regnen. Schnell erreichten wir die A7. Und da standen sie, die Samenfamilie mit ihrem Souvenirstand. "Kaffee haben wir leider nicht zu verkaufen", uns beiden klappte das Gesicht herunter, so sehr brauchten wir ein Heißgetränk, "aber wir haben noch einen Rest in unserer Thermoskanne". Als bei uns die Lebensgeister wiederkamen, haben wir uns zu ihnen gesetzt und geredet. Sie erzählten von dem kargen Verdienst als fliegende Händler während der Sommermonate und er erzählte von seinem harten Job auf einem Fischereischiff im Winter im Nordmeer, während Sie dann einem schlecht bezahlten Teilzeitjob im Supermarkt nachging. Wir erzählten von der weiten Welt und unserer Reise. In dem klapprigen Van, der ihnen als Behausung diente, quengelte ihr kleiner Sohn, der nicht schlafen konnte, weil es nicht dunkel wurde. Meine Frau schenkte ihm einen Apfel, unseren letzten Reiseproviant.

Spät machten wir uns auf zur nächsten "Stadt" Majavatn.

350 Einwohner gab's, Zentrum war eine Tankstelle mit Laden, Kneipe und ein paar Hotelbetten, wie wir von der netten Chefin am nächsten Morgen nach dem Frühstück erfuhren. Aus gegebenem Anlass führten wir mit ihr auch ein ausgiebiges Gespräch über die verschiedensten Arten von Mücken und deren einseitige Blutsfreundschaft mit den Menschen. Røros In Røros hörte es endlich auf zu regnen. Im strömenden Regen waren wir am Hotel angekommen und am nächsten Morgen wieder abgefahren. Nach 200 km ist man dann ganz schön fertig. Da war ein Fußmarsch durch die ansteigende Hauptstraße dieser Bergbaustadt genau das Richtige. Die komplette Stadt steht unter Denkmalschutz und ist bei der UNESCO als "Kulturerbe der Menschheit" eingestuft. Gleichberechtigt mit der Akropolis in Athen oder den Pyramiden von Gizeh. Die ungewöhnliche Kirche, gestiftet von den Minenbaronen (sie soll einen Jahresgewinn gekostet haben), ist allein die Reise wert. Auch die Reise wert ist eine kleine Bäckerei mit ein paar enggedrängten Tischen und Stühlen, in der wir für weniger als 10,- Mark zwei Tassen Kaffee und zwei derart leckere Teilchen bekamen, dass wir uns noch ein zweites Mal in die Schlange stellen mussten. Wir hatten es uns verdient.

Hotels in Skandinavien

Beklagen können wir uns eigentlich nicht. Die Zimmer waren sauber, das Frühstücksbuffet reichlich bis opulent, die Preise meistens angemessen. Trotzdem haben wir einige Überraschungen erlebt. Wer kennt schon Sommerhotels? Studentenwohnheime werden während der Semesterferien als Hotels betrieben, in der Mensa ist das Frühstück aufgebaut. Angemessen waren die Preise in Helsinki und Trondheim. In zwei anderen Einrichtungen dieser Art, Internate an Schulen, lagen die Preise daneben. Ergebnis: Wir waren jeweils in den riesigen Anlagen die einzigen Gäste. Wo wir gerade beim Sommer sind. Überall weiß man, dass die Hoteliers die Ferienzeit dazu nutzen, die Preise anzuheben. In Skandinavien ist es genau umgekehrt. Die Preise liegen nur noch bei etwa zwei Drittel des üblichen Wertes. Warum das so ist? Wir haben gerätselt und können nur vermuten, dass Skandinavier ihren Urlaub nicht im Hotel verbringen, zumindest nicht im eigenen Land. Wenn dann auch noch Geschäftsreisende und Kongresse fehlen, muss man schon was tun, um das Haus zu füllen.

Dann sind da noch die Hotelgutscheine. Die haben den letzten Urlaub nachhaltig mitgestaltet. Man kauft für eine gewisse Anzahl Übernachtungen vorab Gutscheine und hat dann eine Liste mit einigen Hundert Hotels in ganz Skandinavien, in denen man, wie in unserem Fall bei Pro Skandinavia, für 71,50 DM pro Person und Nacht ein Zimmer mit Frühstück im Mittelklassehotel bekommt. Einige, im Jugendherbergsstandard kosten sogar nur die Hälfte. So hatten wir 10 Übernachtungen eingekauft. Wenn man nun, wie wir, ohne vorher festgelegte Route und Tagesetappen durchs Land reist, ist garantiert weit und breit kein Pro Skandinavia Hotel in Sicht, wenn man es braucht. Oder es geht so wie mit Bergen. Diese Großstadt hat kein einziges. Das nächstgelegene war 30 Kilometer von der City entfernt in der Wildnis. Das Personal war zu dämlich, uns den Weg zu beschreiben. Drei Anrufe vom Handy, fast 50 km Irrfahrt, zwei Stunden Sucherei. Abendessen im Haus unerschwinglich, die nächste Frittenbude 10 km entfernt.

Oder Trondheim

Hotel gesucht und gefunden. Schild an der Tür "Wegen Renovierung geschlossen". Oder Trondheim auf der Rückfahrt. Riesenkasten direkt am Flugplatz in einem Gewerbegebiet. Die Läden schlossen gerade, als ich mir eine Dose Bier zum Feierabend kaufen wollte. An der Tankstelle gabs keins. Der strömende Dauerregen von fünf Uhr nachmittags ununterbrochen bis zum nächsten Nachmittag um zwei laste ich nicht Pro Skandinavia an. Oder Vinstra, mitten in Norwegen an der A6. Nach etwas Sucherei hatten wir den majestätisch gelegenen Berggasthof erreicht. Wunderbare Aussicht über das Hochplateau. Dann ein Zimmer mit Ausblick auf den Garagenhof, abgewetztes Bettzeug, muffiger Geruch. Meine Frau wanderte zur Rezeption und bat um ein anderes Zimmer. "Die sind unseren zahlenden Gästen vorbehalten", musste sie erfahren. Ein Wort gab das andere. Letztlich durfte ich wieder aufstehen, den Roller beladen und zwei Stunden lang die Hotels der näheren und weiteren Umgebung abklappern. Pro Skandinavia hätte fast eine dreißigjährige Ehe in die Brüche gehen lassen. Oder Oslo. Hotel gesucht und gefunden. Es war zu einem Asylantenheim mutiert.

Oder Malmö

Wir hatten nach vier Absagen am Telefon eines gefunden, das noch ein Zimmer frei hatte, im Zentrum, Fußgängerzone. Glücklich schleppten wir unser Gepäck durch die ganze Stadt bis an die Rezeption. Dann das böse Erwachen. "Wir wissen nicht, wie wir auf die Liste von Pro Skandinavia geraten sind." Die nette Dame hat uns dann telefonisch ein Haus weit draußen im Gewerbegebiet besorgt, das unsere Gutscheine annahm. Statt Stadtbummel in der City eine Wanderung zum großen "M" auf dem hohen Mast, das auf ein Feinschmeckerlokal mit schottischem Namen hinwies. Oder das Sommerhotel im Internat zum halben Preis. Der verstand sich ohne Bettwäsche und ohne Frühstück. Da wir beides haben wollten, war der Preis wieder regulär und entsprach bei weitem nicht dem Standard eines Mittelklassehotels. Wir haben trotzdem dort übernachtet. Wegen der Ruhe die wir als einzige Gäste hatten und dem herrlichen Ausblick auf den Fjord. Die Geschichte mit den Gutscheinen wäre nicht komplett ohne die einzige rühmliche Ausnahme.

Ålesund

Vom Wasser umgeben, auf Inseln gebaut, ein feines Hotel am Rand der historischen Altstadt. Und weil kein normales Doppelzimmer mehr frei war, bekamen wir nicht etwa eine Abstellkammer, sondern eine Suite mit Blick über die Stadt und das Meer. Mit separatem Schlafraum und Toilette für einen Dienstboten. Wohnraum, Schlafzimmer, Bad großzügig und großräumig. Kaffeemaschine in der Küchenecke usw. Als ich den Preis dieser Luxusbleibe in der Infomappe las, etwas über 1.000 Mark, kamen mir doch Bedenken. Aber ein Telefonat mit der Rezeption brachte die Bestätigung. Zwei Gutscheine zu 71,50 gingen in Ordnung. Am Morgen vor der Abreise habe ich gefragt, ob wir eine weitere Nacht bleiben könnten. Kurz darauf kam die Bestätigung: Kein Problem und Sie müssen auch nicht in ein normales Doppelzimmer umziehen. Fazit: Wegen einer - zugegeben großartigen - Ausnahme kann mir keiner mehr Hotelgutscheine verkaufen.

Oslo

Von den vielen Sehenswürdigkeiten der norwegischen Hauptstadt haben wir nach einem Bummel durch die Hauptgeschäftsstraßen nur zwei besucht. Das Königliche Schloss liegt in einer großartigen Parkanlage etwas erhöht über dem Zentrum. Der Blick vom Vorplatz hinunter in die Stadt ist schon herrlich, wie schön muss er dann für Königs aus dem Zimmer im dritten Stock erst sein. Für eine Führung durchs Schloss hatte ich nicht den Nerv. Zur Vigeland-Anlage, die wir danach besichtigten, zitiere ich auszugsweise die ADAC-Info über Oslo: "Gigantische Menschenleiber in Stein, Eisen oder Bronze säumen die Grünflächen der Vigeland-Anlage....Säuglinge und Greise, muskelprotzende Herkulesse und anmutige Mägdelein, lachende und weinende, kämpfende und sich liebkosende Gestalten, allesamt nackt und somit ohne jeglichen sozialen Status, halten dem Spaziergänger auf eigentümliche Art einen Spiegel vor." Wir waren begeistert und beeindruckt.

Göteborg

Großstädte mag ich nicht. Anders meine Frau. Aber eine intakte Beziehung soll man nicht wegen solcher Kleinigkeiten zerbrechen lassen. So fuhren wir frohen Mutes an das Zentrum von Göteburg, parkten den Roller unauffällig auf einer Verkehrsinsel zwischen Hunderten von Fahrrädern und wanderten zur Touristinfo um einen Stadtplan zu ergattern. In Göteborg sollte es sechs Hotels geben, die unsere Gutscheine akzeptierten. Es war vier Uhr nachmittags und wir machten schon Pläne, was wir nach dem Einchecken alles besichtigen könnten. Am Roller klemmte die Aufforderung mit anhängendem Überweisungsblatt für ein Vergehen Nr. 41 mal eben 700 Kronen einzuzahlen. Das waren 175,- Mark. Einfach gar nicht ignorieren (hat tatsächlich geklappt). Dann die Hotelsuche. Das erste war ausgebucht, das zweite auch, im dritten dann die Erkärung: Fußballturnier. Nach geschlagenen vier Stunden habe ich entnervt aufgegeben. In einer Vorstadt-Pizzeria musste ich mich stärken. Beim Bezahlen fragten wir den Wirt, ob er nicht einen Tipp für eine Unterkunft habe. Der gab die Frage an einen Stammtisch besoffener Einheimischer weiter. Rührend haben die sich bemüht, jeder nahm sein Handy und telefonierte mit Gott und der Welt. Letztendlich boten sie uns ihre eigenen Behausungen zum Übernachten an. Das wollten wir dann nicht.

 
Also ab auf die Autobahn Richtung Heimat. Nach 20 km leuchtete vom Dach eines riesigen Hotels die Reklame für "Skandic", einer Hotelkette, in deren Häusern wir gern übernachtet hatten. Vielleicht hatten die von ihren fünfhundert Zimmern eins frei. Fehlanzeige. "Im Umkreis von mindestens fünfzig Kilometer um Göteborg ist alles ausgebucht", sagte man uns an der Rezeption, "aber wir können gern für Sie bei unseren anderen Häusern nachfragen." Skandic Trollhättan meldete noch ein freies Doppelzimmer. Der Name der Stadt kam mir bekannt vor. Nicht etwa weil dort Saab Autos baut, sondern weil wir kurz nach Mittag den Ort passiert hatten. Also Kehrtwende und 100 km zurück auf der gleichen Route. Es war kurz vor Mitternacht, als wir uns endlich zur Ruhe legten. In Trollhättan, in einem Abfallkorb neben einer Parkbank am Kanal liegen viele kleine Papierschnitzel betreffend Vergehen Nr. 41. Eigentlich hasse ich Großstädte.

Øresundbrücke

Im vorigen Urlaub, 1999, waren wir auf der Fähre zwischen Malmö und Kopenhagen zwischen den himmelhoch aufragenden Brückenpfeilern hindurchgefahren. Weitestgehend waren sie schon miteinander verbunden, es fehlten nur noch 3 Teilstücke in der Mitte. Diesmal konnten wir den Öresund von oben betrachten, zumindest die Sozia. Ich hatte ernsthafte Probleme, bei der steifen Brise die Fuhre auf der Fahrbahn zu halten. Nur 120 km weiter gab's den gleichen Nervenkitzel dann nochmal auf der Brücke über den großen Belt. Wie geht's weiter? Vor ein paar Tagen, Anfang Januar 2001 habe ich meinen Roller bei Kilometerstand 44.400 bei meinem Händler gegen sein Vorführfahrzeug, Jahrgang 2000, ansonsten gleiches Modell wie bisher, eingetauscht, der nur 3.200 km auf dem Buckel hatte. Ich freue mich auf eine neue Rollersaison. Diesmal geht der große Urlaub wahrscheinlich in den Süden.

Gruß Hilde und Bruno